Selbstreflexion, Gespräche und der eigene Blickwinkel
Im Auto sagt dein Kind: „Der Trainer schaut immer nur zu den Guten.“ Du hast das nicht erfunden, und dein Kind hat es auch nicht erfunden. Es hat über Wochen beobachtet, wem der Trainer Rückmeldung gibt, wen er lobt, wen er korrigiert, und ist zu einem Schluss gekommen.
Kinder sind in solchen Dingen oft genauer als Erwachsene.
Frag dein Kind, woran es das merkt. „Was hast du gesehen?“ Vielleicht kommt: „Er redet mit Ben nach jedem Spielzug und mit mir gar nicht.“ Oder: „Wenn ich was falsch mache, sagt er nichts, aber bei den anderen schon.“
Es muss nicht stimmen, um ernst genommen zu werden. Auch ein verzerrter Eindruck zeigt dir, wie dein Kind das Training erlebt. Das allein ist eine wichtige Information.
Viele Trainer geben den stärkeren Kindern mehr Aufmerksamkeit, weil die mit ihren Aktionen mehr im Mittelpunkt stehen. Es passiert nicht aus Absicht, sondern aus dem Spielgeschehen. Gerade bei großen Gruppen und wenigen Betreuern ist es schwer, jedem Kind gerecht zu werden.
Das macht es nicht richtig. Es erklärt nur, dass der Eindruck deines Kindes oft einen realen Hintergrund hat.
Bring es ruhig und ohne Vorwurf ein: „Mein Sohn hat das Gefühl, dass er im Training weniger Rückmeldung bekommt. Ich weiß, dass das nicht Absicht ist. Gibt es etwas, was wir tun können?“ Du setzt voraus, dass der Trainer es gut meint, und lässt ihm Raum für eine gute Reaktion.
Frag auch, ob dein Kind eine Aufgabe haben könnte, an der es arbeiten soll, etwa: „Heute achtest du auf die Passschärfe.“ Dann hat der Trainer einen Anlass, nachzufragen, und dein Kind fühlt sich gesehen.
Manche Trainer ändern ihr Verhalten kaum. Dann lohnt es sich zu überlegen, was dein Kind braucht, um trotzdem gern zu trainieren. Vielleicht eine Gruppe, in der es sich wohler fühlt, eine Zusatzrunde mit einem anderen Trainer, oder der Wechsel in eine Mannschaft mit mehr Betreuung.
Es darf wissen, dass seine Beobachtung richtig sein kann, und dass das nichts über seinen Wert aussagt. Du kannst ihm zeigen, dass du seine Fortschritte siehst, auch wenn der Trainer gerade woanders hinschaut: „Mir ist aufgefallen, dass du heute vier Mal gut abgespielt hast.“
Wenn du das regelmäßig tust, braucht dein Kind den Blick des Trainers nicht mehr als einzige Quelle von Anerkennung. Das macht es stabiler, auch in Mannschaften, in denen die Aufmerksamkeit ungleich verteilt ist.
Begleite dein Kind in jedem Moment — mit persönlichem Coaching.