Für Eltern

Selbstreflexion, Gespräche und der eigene Blickwinkel

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Trainer schaut beim Testspiel dreimal zum anderen Kind

Beim Testspiel schaut der Trainer immer wieder zu einem anderen Kind. Was du daraus lesen kannst, was nicht, und wie du es nicht in dein Kind trägst.

Du zählst mit, ohne es zu wollen. Erster Blick, zweiter Blick, dritter Blick. Der Trainer schaut beim Testspiel immer wieder zum Jungen auf der rechten Seite, nicht zu deinem Kind in der Mitte. Du merkst, wie sich in dir etwas zusammenzieht.

Das Zählen ist ein typischer Eltern-Reflex. Er verrät aber wenig darüber, was der Trainer denkt.

Was Blicke bedeuten können

Ein Trainer schaut aus vielen Gründen auf einen Spieler. Vielleicht ist der Junge neu und wird getestet. Vielleicht macht er gerade Fehler, die korrigiert werden müssen. Vielleicht steht er in einer Zone, in der die Mannschaft gerade verwundbar ist. Vielleicht hat der Trainer vor dem Spiel mit ihm etwas vereinbart, auf das er achtet.

Du bekommst nur einen kleinen Ausschnitt des Spiels. Was der Trainer gesehen und gedacht hat, weißt du nicht.

Das Muster im Kopf

Wenn du zählst, suchst du Beweise für eine Sorge, die du schon hast: dass dein Kind weniger gesehen wird. Das ist nicht unvernünftig, aber das Zählen bringt dich nicht weiter, weil jeder weitere Blick deine Annahme bestätigt und kein Blick sie widerlegt.

Du kannst dir bewusst vornehmen, im nächsten Spiel nicht auf den Trainer zu schauen, sondern auf dein Kind. Wie bewegt es sich? Wann hat es Spaß? Das gibt dir andere, bessere Informationen.

Wenn du es ansprechen willst

Du kannst nach dem Spiel fragen, was dem Trainer bei deinem Kind aufgefallen ist. Eine offene Frage gibt ihm Raum, etwas Konstruktives zu sagen: „Worauf soll er in den nächsten Wochen achten?“

Mit der Frage „Warum haben Sie so oft zum anderen geschaut?“ setzt du ihn in die Defensive. Er wird sich rechtfertigen und im Zweifel merken, dass du Strichlisten führst.

Was dein Kind mitbekommt

Kinder sind ehrlicher als wir in der Wahrnehmung. Dein Kind spürt, ob der Trainer es sieht, und braucht dazu keine Hilfe von dir. Wenn es sich übersehen fühlt, wird es das sagen, vielleicht erst nach Tagen. Dann kannst du zuhören und mit dem Trainer reden, auf Basis dessen, was dein Kind erlebt hat.

Wenn es nichts sagt, ist das ein gutes Zeichen. Gib ihm den Raum, sein eigenes Spiel zu erleben, ohne dass es merkt, dass du jedes Detail zählst.

Beim nächsten Testspiel kannst du dir einen anderen Platz suchen. Hinter dem Tor sieht man den Trainer schlechter, und vielleicht entspannt sich dein Nacken dadurch ein Stück.

Falls dich das Thema länger beschäftigt, lohnt ein Blick auf das, was dein Kind selbst über das Spiel erzählt. Kinder sagen oft von allein, ob sie sich gesehen fühlen. Dort liegt die zuverlässigere Information, und du musst dafür nicht mitzählen, wohin der Trainer blickt.

Begleite dein Kind in jedem Moment — mit persönlichem Coaching.