Selbstreflexion, Gespräche und der eigene Blickwinkel
Samstag, E-Jugend, Heimspiel. Der Trainer stellt seinen Sohn schon zum dritten Mal in Folge als Kapitän auf, dein Kind sitzt wieder auf der Bank, und neben dir auf der Seitenlinie wird getuschelt. Fast jeder Verein kennt diese Lage, weil Jugendtrainer oft Eltern sind, die sich freiwillig gemeldet haben.
Dein Ärger fühlt sich sofort wie ein Beweis an, aber ein Gefühl von der Seitenlinie sagt wenig über die Aufstellung. Vielleicht trainiert der Sohn des Trainers seit Jahren im Verein und fehlt nie. Vielleicht spielt er auf einer Position, für die gerade niemand sonst bereitsteht. Es kann genauso gut sein, dass der Trainer unbewusst sein eigenes Kind bevorzugt, denn das kommt vor, auch bei Menschen mit guten Absichten.
Notiere dir über ein paar Wochen, wer wann wie lange gespielt hat. Das geht ohne Strichliste auf dem Handy während des Spiels, ein kurzer Blick nach dem Abpfiff reicht. Nach vier oder fünf Spielen siehst du ein Muster oder eben nicht.
Dein Kind merkt meist selbst, dass es weniger spielt. Wenn du dann im Auto sagst „Der bevorzugt halt seinen Sohn“, gibst du ihm eine fertige Ausrede und nimmst ihm die Lust, sich anzustrengen. Besser klingt etwas wie „Ich sehe, dass dich das ärgert. Was würdest du gern im Training zeigen?“
Lass dein Kind die Sorge selbst formulieren. Manche Kinder wollen gar nichts ändern, sie wollen nur nicht allein damit sein. Dann reicht ein „Ich bin da, wenn du darüber reden willst“.
Wenn sich nach einigen Wochen ein Muster zeigt, sprich den Trainer an. Nicht am Spielfeldrand, nicht direkt nach einer Niederlage und nicht vor anderen Eltern. Schreib ihm eine kurze Nachricht und bitte um ein Gespräch zu zweit, zum Beispiel am Dienstag nach dem Training.
Ein Einstieg, der funktioniert, lautet „Mein Kind würde gern öfter von Anfang an spielen. Woran kann es arbeiten?“ Der Satz stellt keine Behauptung über seinen Sohn auf, und er gibt dem Trainer Raum zu antworten, ohne sich verteidigen zu müssen.
Lass dagegen Sätze wie „Du bevorzugst doch deinen Sohn“ weg. Wer so beginnt, bekommt eine Abwehrreaktion und kein Gespräch. Auch eine Elterngruppe im Messenger ist der falsche Ort, denn dort wird aus einer Frage schnell ein Lager.
Bleibt das Gespräch ohne Ergebnis, gibt es im Verein Ansprechpersonen. Das ist je nach Verein die Jugendleiterin, der Jugendleiter oder die Abteilungsleitung. Wende dich dorthin erst, wenn du es zuerst direkt versucht hast; das gehört zum fairen Umgang unter Ehrenamtlichen.
Klagt dein Kind über Bauchweh vor dem Training oder will es plötzlich nicht mehr hin, nimm das ernst. Bei anhaltenden Beschwerden frag eure Kinderärztin oder euren Kinderarzt. Und überlege gemeinsam mit deinem Kind, ob eine andere Mannschaft im Verein besser passt.
Sideline kann dir in solchen Momenten Formulierungen vorschlagen, etwa für die Nachricht an den Trainer.
Begleite dein Kind in jedem Moment — mit persönlichem Coaching.