Für Eltern

Selbstreflexion, Gespräche und der eigene Blickwinkel

Artikel

Papa steht 90 Minuten am Zaun und schreit

Dein Mann oder du selbst steht am Zaun und ruft ununterbrochen Anweisungen. Was das mit dem Kind macht und wie du es ansprichst.

Neunzig Minuten lang geht es von der Seitenlinie: „Nach links! Hinten bleiben! Schieß doch!“ Dein Kind hört jedes Wort. Auch die anderen Kinder hören es, und die gegnerischen Eltern sowieso.

Falls der Mensch am Zaun dein Partner ist, kennst du die Scham. Falls du es selbst bist, kennst du die Aufregung, die man nicht abstellen kann.

Was beim Kind ankommt

Ein Kind, das spielt, muss sich gleichzeitig auf den Ball, die Mitspieler und die Gegner konzentrieren. Die Stimme vom Rand kommt als vierte Aufgabe dazu. Es will sie erfüllen, weil sie von Papa kommt, und kann es doch nicht, weil das Spiel gerade etwas anderes verlangt.

Oft hat der Trainer eine Anweisung gegeben, und der Vater ruft das Gegenteil. Das Kind steht dazwischen.

Warum es dir schwerfällt, still zu sein

Viele Eltern rufen, weil sie sich hilflos fühlen. Sie sehen etwas, das sie gern ändern würden, und ihnen bleibt nur die Stimme. Rufen gibt ein Gefühl von Kontrolle. Es verändert aber nichts am Spiel, außer dass es dein Kind unter Druck setzt.

Hinzu kommt die Gruppendynamik: Wenn andere Eltern rufen, ruft man mit.

Eine Absprache für die Seitenlinie

Du kannst mit dem Elternteil, das ruft, ein Signal vereinbaren. Ein Hand-auf-dem-Arm, ein Wort wie „Atmen“. Nicht als Maßregelung, sondern als gemeinsames Werkzeug. Auch eine Pause hilft: Geh in den ersten zehn Minuten einmal um den Platz herum.

Auf manchen Plätzen gibt es eine Regel, dass Eltern in einem Bereich stehen müssen, der etwas vom Feld entfernt ist. Wenn dein Verein so etwas anbietet, nutz es.

Das Gespräch mit dem Kind

Frag dein Kind, wann es sich vom Rand unterstützt fühlt und wann nicht. Du wirst überrascht sein, wie klar die Antworten ausfallen. Manche Kinder wollen Jubel, aber keine Anweisungen. Manche wollen, dass man überhaupt nichts ruft.

Wenn du ehrlich bist: Die meisten Kinder wünschen sich Applaus für gute Aktionen und Stille bei schlechten.

Was bleibt

Wer am Zaun schreit, merkt es meist selbst nicht. Deshalb hilft ein Foto oder ein Video vom Spiel, das die Lautstärke wiedergibt. Manche Eltern sind erschrocken, wenn sie sich selbst hören.

Gleichzeitig ist es kein Urteil über dich als Mensch. Du liebst dein Kind und willst, dass es gut spielt. Die Frage ist nur, ob dein Rufen das Ziel erreicht.

Wenn du es schaffst, nur noch zu klatschen, wird dein Kind es bemerken. Nicht sofort, vielleicht nicht in Worten, aber im Auto, wenn es dir freiwillig erzählt, was es auf dem Platz erlebt hat.

Wenn dir im Moment die Worte fehlen, kann Sideline dir Formulierungen für das Gespräch mit deinem Kind vorschlagen.

Begleite dein Kind in jedem Moment — mit persönlichem Coaching.