Für Eltern

Selbstreflexion, Gespräche und der eigene Blickwinkel

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Du bist wütender über die Niederlage als dein Kind

Manchmal kocht auf der Heimfahrt bei dir mehr als bei deinem Kind. Was du mit dem Ärger machen kannst, bevor du ihn im Auto auspackst.

Der Ärger gehört erst mal dir

Das Spiel ist aus, ihr sitzt im Auto, und dein Kind schnallt sich an, zieht die Kapuze hoch und schaut aus dem Fenster. Bei dir dreht sich unterdessen alles um den vergebenen Strafstoß, die Schiedsrichterentscheidung in der letzten Minute und den Gegner, der zwei Köpfe größer war. Dein Kind scheint die Sache längst abgehakt zu haben, du kaust noch daran.

Das passiert vielen Eltern. Du hast Zeit, Fahrtwege und Wochenenden in den Sport gesteckt, und wenn es schiefgeht, fühlt sich das ein Stück weit nach deiner eigenen Niederlage an. Das ist menschlich. Schwierig wird es erst, wenn dein Kind merkt, dass du es schlimmer findest als es selbst.

Was dein Kind in diesem Moment braucht

Ein neunjähriges Kind, das gerade verloren hat, ist oft müde, hungrig und ein bisschen leer. Es hat noch keine Meinung zum Spiel, jedenfalls keine, die es dir erzählen möchte. Wenn du sofort mit einer Analyse einsteigst, hört es vor allem, dass etwas schiefgelaufen ist und dass du enttäuscht bist.

Sätze, die auf der Rückfahrt gut funktionieren, sind kurz und lassen Raum:

- „Schön, dass du da warst. Hast du Hunger?“ - „Ich schau mir gern an, wie du spielst. Das war heute ein langer Tag.“ - „Wir müssen jetzt nicht darüber reden. Sag Bescheid, wenn du magst.“

Und was du besser lässt: den Schiedsrichter schlechtmachen, die Aufstellung des Trainers kommentieren, mit deinem Kind jeden verpassten Ball durchgehen. Auch ein halb scherzhaftes „Da hättest du aber schon besser stehen können“ kommt bei Kindern selten als Scherz an.

Wohin mit deiner Wut

Du darfst wütend sein. Dein Kind muss es nur nicht abbekommen. Hilfreich ist, den Ärger zu parken, bevor du die Autotür aufmachst. Atme am Sportplatz bewusst aus, geh die ersten Meter zum Parkplatz allein oder mit einem anderen Elternteil, wenn dir das Luft verschafft. Ruf später eine Freundin an, schreib dir die Punkte auf, die dich beschäftigen, oder geh abends eine Runde um den Block.

Wenn dir doch etwas herausrutscht, kannst du das geraderücken. „Vorhin war ich ziemlich genervt. Das hatte mit dir nichts zu tun, das ist mein Thema.“ Kinder verzeihen so einen Satz meist schneller, als Erwachsene denken, und sie sehen dabei, wie man mit Ärger umgeht.

Gut möglich, dass du erst am Abend oder am nächsten Morgen merkst, was dein Kind selbst aus dem Spiel mitnimmt. Frag dann offen: „Was hat dir heute Spaß gemacht?“ Das öffnet mehr Türen als „Warum habt ihr verloren?“.

Wenn du merkst, dass es öfter vorkommt

Fällt dir auf, dass du nach fast jedem Spiel gereizt bist, lohnt sich ein ehrlicher Blick darauf, wessen Ziel hier eigentlich verfolgt wird. Manche Eltern erzählen ihrem Kind vor dem Spiel, was heute drin sein müsste. Das legt eine Latte auf, die dein Kind vielleicht gar nicht selbst gewählt hat.

Zeigt dein Kind nach Niederlagen anhaltend Bauchweh oder will nicht mehr zum Training, sprich mit dem Kinderarzt oder der Kinderärztin darüber und red mit der Trainerin oder dem Trainer.

In solchen Momenten kann Sideline dir Formulierungen vorschlagen, die du auf der Rückfahrt oder am Abend ausprobieren kannst.

Begleite dein Kind in jedem Moment — mit persönlichem Coaching.