Selbstreflexion, Gespräche und der eigene Blickwinkel
Dreißigste Minute, Stand 1:1, und von der Seitenlinie hallt es über den ganzen Platz: „Hinten bleiben! Spiel ab! Mach endlich!" Der Trainer steht drei Meter daneben und sagt gar nichts mehr. Dein Kind schaut kurz zur Seite, dann wieder auf den Ball, und du siehst, wie unwohl ihm ist.
Viele Eltern, die laut werden, meinen es gut. Sie sind aufgeregt, wollen helfen und merken gar nicht, wie ihre Stimme auf dem Platz ankommt. Für Kinder in der E- oder D-Jugend sind zwei Stimmen gleichzeitig schwer zu verarbeiten; sie wissen dann nicht mehr, wem sie folgen sollen.
Oft wird es auch deshalb laut, weil niemand etwas sagt. Wer sich auf dem Feld schweigend ärgert, fühlt sich bald im Recht, wenn alle anderen auch schweigen.
Du musst nicht mitten im Spiel eingreifen. Stell dich lieber ein Stück entfernt hin, das nimmt dir die Versuchung, selbst zu reagieren. Wenn du die Person kennst, kannst du nach dem Abpfiff ruhig und unter vier Augen auf sie zugehen: „Mir ist aufgefallen, dass die Kinder bei den vielen Zurufen manchmal unsicher wirken. Könnten wir uns da vielleicht zurückhalten?" Damit klagst du niemanden an, du beschreibst nur, was du gesehen hast.
Wenn du die Person nicht kennst, sprich den Trainer oder die Jugendleitung an. Viele Vereine haben ohnehin Verhaltensregeln für Eltern, den Fair-Play-Gedanken des DFB zum Beispiel, und freuen sich über einen Hinweis. Du musst dabei keine Namen nennen, wenn du das nicht möchtest.
Brüll nicht zurück. Auch ein „Jetzt halt doch mal die Klappe!" schafft nur ein zweites lautes Elternteil am Spielfeldrand, und die Kinder haben dann zwei Streitende statt einem. Verzichte ebenfalls darauf, in der Elterngruppe abends über die Person zu lästern. Das spricht sich schnell herum und macht das nächste Gespräch schwerer.
Sprich mit deinem Kind nicht schlecht über den laut gewordenen Elternteil, auch wenn dir danach ist. Ein Satz wie „Manche Erwachsene sind beim Zuschauen sehr aufgeregt, das hat mit dir nichts zu tun" reicht völlig aus. Es ist das Mindeste, was dein Kind danach hören sollte, vor allem wenn es selbst das Ziel der Rufe war.
Ein gemeinsamer Elternabend am Saisonanfang wirkt oft Wunder. Dort lässt sich festlegen, wer vom Rand etwas ruft und wer nicht. Manche Mannschaften einigen sich darauf, dass nur ein Trainer Anweisungen gibt und alle anderen anfeuern. Das klingt streng, macht den Samstag aber für alle leichter, auch für den Trainer.
Wenn du selbst merkst, dass du am Rand lauter wirst als du möchtest, geh ein paar Schritte, atme durch und komm zurück. Dein Kind braucht von dir ein ruhiges Gesicht, dann spielt es freier.
Wenn dir für ein solches Gespräch die richtigen Worte fehlen, kann Sideline dir Formulierungen vorschlagen, die freundlich bleiben und trotzdem klar sind.
Begleite dein Kind in jedem Moment — mit persönlichem Coaching.