Für Eltern

Selbstreflexion, Gespräche und der eigene Blickwinkel

Artikel

Du weinst nach dem Wettkampf, dein Kind nicht

Auf der Tribüne zittern dir die Knie, während dein Kind nach der Kür gelassen winkt. Warum Eltern oft stärker fühlen als ihre Kinder und was dann hilft.

Die Kür ist vorbei, die Musik verstummt, und du wischst dir auf der Tribüne die Augen. Unten auf der Turnmatte läuft deine Tochter schon zu ihrer Freundin und lacht. Du fragst dich, ob mit dir etwas nicht stimmt.

Warum du mehr fühlst als dein Kind

Du hast von der Tribüne aus nichts in der Hand. Dein Kind turnt, du schaust zu und kannst weder helfen noch korrigieren. Dieses Zusehen ohne Eingreifen lässt die Anspannung hochschießen, bei manchen Eltern bis zu Tränen. Dazu kommt, dass du die Wochen davor miterlebt hast: das frühe Aufstehen, die Fahrten, die Tage, an denen es nicht klappte.

Dein Kind steht dagegen mitten in der Aufgabe. Es konzentriert sich auf den nächsten Handstand, auf den Absprung, auf die Wertungsrichterin. Wenn alles vorbei ist, fällt die Spannung ab, und es freut sich oft schlicht, dass es geschafft ist. Die Tränen kommen bei dir, weil du länger festgehalten hast.

Wann deine Tränen deinem Kind schaden können

Weinen an sich ist kein Problem. Heikel wird es, wenn dein Kind merkt, dass deine Stimmung vom Ergebnis abhängt. Ein Kind, das nach einer Wertung zuerst in dein Gesicht schaut, um zu sehen, wie es gelaufen ist, trägt die Gefühle von zwei Menschen. Manche Kinder fangen dann an, Fehler zu verstecken oder ihre Freude zu dämpfen.

Du kannst das leicht auffangen. Sag es ihm ruhig: „Ich war so aufgeregt, dass ich geweint habe. Das hat nichts mit deiner Note zu tun. Ich bin einfach gern dabei.“ Mit diesem einen Satz nimmst du die Last wieder zu dir zurück.

Was dir selbst helfen kann

Such dir vor dem nächsten Wettkampf einen Platz, an dem du dich nicht verstecken musst, aber auch nicht in der ersten Reihe stehst. Atme bewusst aus, wenn dein Kind an der Reihe ist, und lass die Hände unten. Sprich vorher mit einer anderen Mutter oder einem Vater aus der Gruppe; wer weiß, dass andere genauso zittern, nimmt sich selbst weniger ernst.

Nach dem Wettkampf zählt die erste Minute. Statt „Und, wie war’s?“ kannst du sagen: „Schön, dich turnen zu sehen.“ Das gibt deinem Kind Raum, selbst zu erzählen, ob es zufrieden war oder nicht.

Halten dich die Gefühle bei Wettkämpfen über Wochen stark im Griff, etwa mit Schlafproblemen oder Herzklopfen schon Tage vorher, sprich mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt. Dort bist du gut aufgehoben.

Dein Kind darf anders fühlen

Dass dein Kind ruhiger bleibt, heißt nicht, dass es ihm egal ist. Kinder verarbeiten Wettkämpfe häufig im Spiel, beim Essen oder erst abends im Bett. Lass es so sein, wie es ist.

Wenn du nicht weißt, wie du deinem Kind nach einem emotionalen Tag etwas sagen sollst, kann Sideline dir Formulierungen vorschlagen, die zu dir und deinem Kind passen.

Begleite dein Kind in jedem Moment — mit persönlichem Coaching.