Selbstreflexion, Gespräche und der eigene Blickwinkel
Vier Monate war dein Kind weg. Kein Training, keine Spiele, nur Arzttermine. In dieser Zeit hat sich kaum jemand gemeldet. Keine Nachricht vom Trainer, kein Gruß aus der Mannschaft. Jetzt ist dein Kind wieder gesund, und dir fällt auf, wie still es war.
Für ein Kind, das lange verletzt war, ist Schweigen schwer. Es fühlt sich vergessen, auch wenn niemand das beabsichtigt hat. Und du erlebst den Frust mit, denn du siehst, wie dein Kind wartet und wie wenig zurückkommt.
Oft steckt keine Absicht dahinter. Trainer haben viele Kinder und wenig Zeit, und ein verletztes Kind rutscht schnell aus dem Blick. Das macht es nicht besser, aber es ist keine Ablehnung.
Du kannst dem Trainer freundlich sagen, wie es für dein Kind war. „Unser Sohn hat sich in der Zeit ziemlich allein gefühlt. Wäre es möglich, dass ihr bei Verletzungen ab und zu eine Nachricht schickt?" Das ist keine Anklage, sondern ein Vorschlag, der anderen Kindern nützt.
Wenn du lieber nichts sagen willst, ist das auch in Ordnung. Entscheide, ob du die Energie dafür hast.
Dein Kind muss jetzt nicht nur körperlich zurückfinden, sondern auch sozial. Die anderen haben Witze und Erlebnisse geteilt, an denen es nicht beteiligt war. Hilf mit kleinen Schritten, etwa einem Treffen mit einem Teamkollegen vor dem ersten Training oder einer Verabredung nach dem Spiel.
Frag dein Kind, wie es sich damit fühlt. Es muss nicht gleich alles aufarbeiten. Aber wenn es merkt, dass du seine Gefühle siehst, trägt es weniger davon allein.
Wenn dein Kind künftig wieder einmal ausfällt, kannst du von dir aus Kontakt halten. Ein Besuch beim Training, eine Nachricht an den Trainer, eine Einladung an den besten Freund aus dem Team. Du musst nicht darauf warten, dass der Verein sich meldet. Manchmal entsteht dadurch genau das, was gefehlt hat.
Und vergiss nicht, dass dein Kind in dieser Zeit etwas geschafft hat, das nicht jeder schafft: durchhalten, wenn nichts passiert. Das darfst du ihm ruhig sagen.
Meist sind es kleine Dinge. Eine Nachricht von einem Mitspieler, ein Platz bei der Mannschaftsbesprechung, ein kurzes „Wie geht's?" vom Trainer. Du kannst deinem Kind helfen, solche Kontakte selbst zu suchen, indem du es beim Schreiben unterstützt oder Treffen organisierst.
Auch dein eigener Ärger darf da sein. Du darfst ihn nur nicht auf deinem Kind abladen, das ohnehin genug damit zu tun hat.
Begleite dein Kind in jedem Moment — mit persönlichem Coaching.