Selbstreflexion, Gespräche und der eigene Blickwinkel
Du hörst es am Spielfeldrand: „Du da hinten, nach links!“ oder „Sieben, schneller!“ Dein Kind ist seit der letzten Saison im Team, hat jede Woche trainiert und trotzdem ruft der Trainer nie seinen Namen. Es fällt dir erst auf, als du es einmal bewusst zählst.
Wer seinen Namen hört, fühlt sich gesehen. Das gilt für Erwachsene, aber für Kinder noch mehr, weil sie Anerkennung stärker an Aufmerksamkeit koppeln. Ein Kind, dessen Name nie fällt, schließt manchmal leise daraus, dass es unwichtig ist. Es sagt das nicht, aber du siehst, wie es nach dem Training schneller geht und weniger erzählt.
Es gibt harmlose Gründe. Viele Trainer sind ehrenamtlich unterwegs, haben zwanzig Kinder, wechselnde Kader und kaum Zeit zum Auswendiglernen. Manche rufen Nummern, weil es auf dem Platz schneller geht. Einige sind schlicht nicht gut mit Namen, wie auch viele Eltern.
Es gibt auch weniger harmlose Gründe. Manche Trainer interessieren sich vor allem für die stärksten Spieler und lassen den Rest mitlaufen. Das lässt sich nach einer Beobachtung nicht sicher beurteilen. Mit einem einzelnen Beispiel solltest du vorsichtig sein.
Achte zwei, drei Trainingseinheiten lang darauf, wie der Trainer mit allen Kindern spricht. Nennt er überhaupt Namen, oder nur bei bestimmten Spielern? Das gibt dir ein Bild, ob es um dein Kind geht oder um den Stil des Trainers.
Wenn es nur dein Kind betrifft, sprich ihn an. Ein guter Einstieg lautet: „Mir ist aufgefallen, dass mein Sohn selten mit Namen angesprochen wird. Er ist da sehr feinfühlig. Kann ich dir irgendwie helfen, ihn besser zu verankern?“ Das klingt nach Zusammenarbeit und weniger nach Vorwurf.
Dein Kind braucht Namen von dir. Nenn es nach dem Spiel beim Namen, wenn du etwas Konkretes bemerkt hast: „Mia, wie du den Ball angenommen hast, das war sauber.“ Allgemeines Lob geht an Kindern vorbei, konkrete Rückmeldung mit Namen bleibt hängen.
Frag dein Kind nebenbei, wie der Trainer es anspricht. Manche Kinder merken es selbst gar nicht, andere haben es schon lange registriert und nie gesagt.
Wenn dein Kind außerdem seltener eingesetzt wird, keine Rückmeldung bekommt und sich zurückzieht, verdichtet sich das Bild. Dann lohnt ein längeres Gespräch mit dem Trainer, notfalls mit dem Jugendleiter des Vereins dabei.
In den meisten Fällen wirkt schon eine kleine Rückmeldung. Trainer, die darauf hingewiesen werden, ändern ihr Verhalten oft schneller, als Eltern es erwarten, weil sie nicht wussten, dass es auffällt.
Begleite dein Kind in jedem Moment — mit persönlichem Coaching.