Selbstreflexion, Gespräche und der eigene Blickwinkel
Auf dem Platz herrscht ein Ton, den du aus der Kaserne zu kennen glaubst: Kurze Befehle, keine Rückfragen, keine Erklärung. Dein Kind hat gefragt, warum es auf der Außenbahn spielen soll, und die Antwort war: „Weil ich es sage.“
Viele Trainer haben ihren Stil selbst so gelernt. Wer als Spieler nur Anweisungen kannte, gibt sie später so weiter. Das ist nicht automatisch schlecht. Manche Kinder kommen mit klaren, kurzen Ansagen sehr gut zurecht und fühlen sich dadurch sicher.
Problematisch wird es, wenn Fragen als Widerspruch gelten und Kinder lernen, dass es besser ist, nichts zu sagen. Dann geht Offenheit verloren, und mit ihr vieles, was Kinder im Sport mitnehmen sollten.
Beobachte, wie der Trainer mit Fehlern umgeht. Wird sachlich korrigiert oder wird laut? Bekommen alle Kinder dieselbe Behandlung oder gibt es Lieblinge? Fragt der Trainer nach dem Spiel, wie es den Kindern ging, oder gibt es nur Kritik?
Achte außerdem auf dein Kind. Geht es gern hin? Redet es zu Hause über das Training? Wenn es zögert, zögert oft mehr dahinter als der Stil.
Du musst seinen Stil nicht ändern, aber du darfst fragen, was er mit seinen Anweisungen erreichen will. Das gelingt am besten ohne Angriff: „Mein Sohn möchte oft verstehen, warum etwas so läuft. Wie gehst du mit solchen Fragen um?“
Viele Trainer sind überrascht, weil sie ihre Wirkung nicht kennen. Andere erklären, dass sie im Spiel keine Zeit für Diskussionen haben, aber nach dem Training gern Fragen beantworten. Das ist ein brauchbarer Kompromiss, den du deinem Kind erklären kannst.
Gib deinem Kind einen Ort, an dem Fragen erlaubt sind. Wenn der Trainer sie nicht beantwortet, tust du es, oder ihr sucht gemeinsam eine Erklärung. Sag zum Beispiel: „Vielleicht wollte er die Außenbahn stärken, weil der Gegner dort offen war.“ Das ersetzt keine Antwort vom Trainer, nimmt aber den Stachel aus dem „Weil ich es sage“.
Vermeide, den Trainer vor dem Kind schlechtzumachen. Sonst steckt dein Kind zwischen zwei Erwachsenen, denen es beiden gerecht werden will.
Klare Ansagen sind in Ordnung. Anschreien, Bloßstellen, Drohungen und Spott gehören nicht dazu, unabhängig vom Stil. Wenn du so etwas beobachtest, sprich den Jugendleiter oder den Vorstand an. Du bist kein Querulant, du schützt dein Kind.
Meist liegt der Fall zwischen diesen Polen. Der Trainer ist streng, aber nicht verletzend, direkt, aber nicht unfair. Dann kann dein Kind lernen, mit unterschiedlichen Erwachsenen zurechtzukommen, und genau das braucht es später in Schule und Beruf auch.
Du kannst den Stil eines Trainers nicht ändern, aber du kannst dein Kind darauf vorbereiten. Ein Kind, das zu Hause fragen darf, hält einen schroffen Ton auf dem Platz erstaunlich gut aus.
Begleite dein Kind in jedem Moment — mit persönlichem Coaching.