Selbstreflexion, Gespräche und der eigene Blickwinkel
Auf dem Kühlschrank hängt ein Zettel mit vier Terminen: zwei Talentetage, ein Stützpunkttraining, eine Sichtung. Alle zwischen April und Juli, alle am Wochenende. Dazu Turniere im Heimatverein, Klassenfahrt und der Familienurlaub.
Bei vier Terminen liegt der Gedanke nahe, möglichst viele mitzunehmen, weil jeder eine Tür sein könnte. In der Praxis wirkt ein Kind, das nach drei Wochenenden in Folge müde und gereizt am Platz steht, weniger überzeugend als ein ausgeruhtes. Termine sind kein Lotterielos, sie verlangen Energie.
Frag dich bei jedem einzelnen, was er bringen kann. Ist es ein Termin, der dem Kind Freude macht? Ist die Anreise machbar? Und passt er zu dem, was dein Kind sich wünscht, nicht zu dem, was du dir wünschst?
Setzt euch mit dem Kalender hin und legt alle Termine nebeneinander, auch die schulischen und familiären. Dein Kind sieht dann, dass es um mehr als Fußball geht. Frag, welche zwei oder drei ihm am wichtigsten sind. Kinder haben meist ein klares Gefühl, wenn man sie fragt.
Lass Platz für freie Wochenenden. Ein Kind, das jeden Samstag und Sonntag verplant ist, hat kaum Zeit, Fußball auch ohne Bewertung zu erleben.
Wenn dein Kind viel Wettkampf hat, achte auf Anzeichen von Überlastung: Es wird schneller krank, schläft schlecht, hat weniger Lust, wirkt gereizt oder klagt häufig über Schmerzen. Dann sind Pausen sinnvoll. Wie viel Belastung bei deinem Kind passt, kann auch die Kinderärztin oder der Kinderarzt einschätzen.
Falls ein Verein oder eine Auswahl erwartet, dass dein Kind alles mitmacht, darfst du freundlich nachfragen, was verpflichtend ist und was freiwillig. Viele Termine sind es nur auf dem Papier.
Es ist in Ordnung, einen Termin auszulassen. Es ist auch in Ordnung, zwei auszulassen. Die meisten Wege in den Leistungsbereich führen nicht über einen einzigen Tag, und die Spielerinnen und Spieler, die später oben ankommen, hatten selten alle Termine mitgenommen. Wichtiger ist, dass dein Kind am Ende des Sommers noch Lust auf Fußball hat. Dann war der Kalender kein Fehler, egal wie viele Kästchen leer geblieben sind.
Bevor du etwas zusagst, stell deinem Kind diese Frage: „Hast du richtig Lust darauf, oder würdest du es nur machen, weil man das so macht?" Kinder antworten darauf meist erstaunlich klar. Wenn die Antwort nach Pflicht klingt, hast du deine Entscheidung schon.
Und plant den Sommer so, dass auch Zeit für Dinge bleibt, die nichts mit Leistung zu tun haben. Schwimmbad, Freunde, Langeweile. Auch das gehört zu einer guten Entwicklung.
Begleite dein Kind in jedem Moment — mit persönlichem Coaching.