Selbstreflexion, Gespräche und der eigene Blickwinkel
Beim Training sitzt du am Rand und zählst mit, wer den Ball sauberer annimmt, wer schneller ist, wer vom Trainer mehr Zuruf bekommt. Auf dem Heimweg merkst du, dass du das Ganze schon wieder getan hast, obwohl du es dir vorgenommen hattest zu lassen.
Du siehst dein Kind und ein Dutzend andere in einer Halle, im selben Alter, in derselben Übung. Dein Gehirn sortiert das automatisch, ohne dass du es willst. Meistens steckt dahinter die Sorge, ob dein Kind mithalten kann und ob es später zurückbleibt.
Du siehst dabei nur einen Ausschnitt. Das andere Kind hat vielleicht zwei Jahre früher angefangen, ist einen Kopf größer oder trainiert zusätzlich privat. Vom Alltag der anderen Familien weißt du kaum etwas.
Die Alarmzeichen sind meist unscheinbar. Du erwähnst den Namen eines anderen Kindes beim Abendessen. Du fragst nach dem Training zuerst, wie die anderen waren. Du sagst Sätze wie „Der Jonas macht das aber schon länger so“, die in deinem Kopf harmlos klingen.
Dein Kind hört darin, dass es noch nicht reicht. Manche Kinder werden dann stiller, andere trainieren verbissen oder haben keine Lust mehr auf den Sport, den sie vorher gern gemacht haben.
Vergleiche dein Kind mit seinem eigenen Stand von vor drei Monaten. „Letzten Herbst hast du den Pass noch am Boden gespielt, heute kommt er in der Luft an“ sagt dasselbe wie ein Ranking, aber es bezieht sich nur auf dein Kind.
Gib deinem Blick eine andere Aufgabe. Such dir pro Training eine einzige Sache aus, die dein Kind gut gemacht hat, und erzähl sie ihm auf der Rückfahrt. Das kann etwas Kleines sein, etwa dass es einem Mitspieler die Flasche gereicht hat oder nach einem Fehler sofort weitergelaufen ist.
Sprich außerdem mit jemandem, der nicht Teil des Vereins ist. Ein Freund oder deine Partnerin hört dir zu, ohne dass daraus ein Gerücht wird. Oft reicht es schon, das Vergleichen laut auszusprechen, damit es an Kraft verliert.
Frag dein Kind nicht, warum es nicht so gut ist wie das andere. Auch eine gut gemeinte Frage wie „Willst du nicht auch so schnell werden?“ hört es als Vorwurf. Wenn du mit dem Trainer sprichst, geh nicht mit der Frage hin, warum ein anderes Kind mehr Einsatzzeit bekommt. Frag lieber, woran dein Kind arbeiten kann und was du zu Hause unterstützen darfst.
Und verzeih dir selbst. Vergleichen macht dich nicht zu einem schlechten Elternteil. Zum Problem wird es erst, wenn dein Kind es spürt.
Sideline kann dir in solchen Momenten Formulierungen vorschlagen, die dein Kind stärken, statt es mit anderen zu messen.
Begleite dein Kind in jedem Moment — mit persönlichem Coaching.