Selbstreflexion, Gespräche und der eigene Blickwinkel
Es ist ein kalter Samstag am Sportplatz, ihr steht mit Kaffee am Zaun. Neben dir erzählt jemand, dass sein Sohn jetzt in der Auswahl mittrainiert und der Verein schon nach ihm gefragt hat. Du nickst, lächelst und denkst die nächste halbe Stunde nur noch daran, wo dein Kind steht.
Fast jeder Elternteil kennt das Gefühl. Man wünscht seinem Kind das Beste und hat den Eindruck, andere seien einen Schritt voraus. Dabei sieht man von außen immer nur Ausschnitte. Du hörst vom Probetraining, aber nicht vom Wochenende, an dem dasselbe Kind keine Lust mehr hatte.
Außerdem entwickeln sich Kinder zwischen 6 und 14 Jahren sehr unterschiedlich. Manche wachsen früh und wirken stärker, andere holen später auf. Was heute nach Vorsprung aussieht, kann in zwei Jahren ganz anders aussehen.
Du musst bei solchen Gesprächen nicht mithalten. Du darfst freundlich sagen „Schön für ihn, das freut mich" und dann das Thema wechseln, zum Beispiel mit „Habt ihr die Fahrgemeinschaft für nächste Woche schon geklärt?". Wer ruhig antwortet, nimmt dem Vergleich die Luft.
Wenn du merkst, dass du selbst anfängst zu messen, hilft ein kleiner Trick. Frag dich, was dein Kind in den letzten Wochen dazugelernt hat. Vielleicht traut es sich jetzt, den Ball zu fordern, oder es hilft einem neuen Spieler beim Warmmachen. Das zählt genauso, auch wenn es in keiner Tabelle steht.
Mit anderen Eltern lässt sich übrigens gut vereinbaren, über Kinder nicht in Ranglisten zu sprechen. Ein Satz wie „Mir ist wichtig, dass wir hier alle fair über die Kinder reden" klingt weniger streng, als er sich anfühlt, und viele atmen dabei auf.
Vergleiche mit anderen Kindern landen bei deinem Kind schneller, als du denkst, auch wenn sie nur nebenbei fallen. Sätze wie „Der Leon macht das schon richtig gut" hört dein Kind als Vorwurf, selbst wenn du es freundlich meinst. Genauso wirken Seufzer auf der Rückfahrt oder ein Blick zu den Nachbarn nach einem Fehlpass.
Sprich lieber über das, was du bei deinem Kind selbst gesehen hast. „Ich fand es toll, wie du nach dem Rückstand weitergelaufen bist" ist ein Satz, der konkret ist und kein anderes Kind braucht. Dein Kind lernt daraus, woran es seine eigenen Fortschritte erkennt.
Falls du dich wiederholt über andere Eltern oder deren Erzählungen ärgerst, kannst du auch den Trainer oder die Trainerin fragen, woran dein Kind gerade arbeiten kann. Dann hast du etwas Greifbares und musst nicht raten.
In so einem Moment am Zaun, wenn die eine Bemerkung noch in dir arbeitet, kann Sideline dir Formulierungen vorschlagen, mit denen du freundlich bleibst und trotzdem bei dir bleibst.
Begleite dein Kind in jedem Moment — mit persönlichem Coaching.