Selbstreflexion, Gespräche und der eigene Blickwinkel
Er sitzt auf der Bank neben dir, hat sein Tablet leer gespielt und fragt zum dritten Mal, wann es endlich vorbei ist. Du hast keinen Babysitter, also kommt er mit. Wieder einmal.
Geschwister von Sportkindern verbringen unzählige Stunden an Spielfeldrändern, ohne dass sie sich das ausgesucht hätten. Sie sind oft die, die am wenigsten Aufmerksamkeit bekommen, weil du auf das Spiel schaust. Und sie sagen es selten, bis irgendwann ein Wutanfall im Auto kommt.
Das ist keine Böswilligkeit. Es ist ein Kind, das sich übersehen fühlt.
Pack für das Geschwisterkind eine eigene Tasche: Malsachen, ein Buch, Karten, ein Spiel, das nur für Spieltage gedacht ist. Dann ist die Tasche etwas Besonderes und nicht nur eine Notlösung. Kinder warten leichter, wenn sie etwas haben, das ihnen gehört.
Manchmal hilft es auch, wenn das Geschwisterkind eine Aufgabe bekommt, etwa die Wasserflaschen zu verteilen oder das Spiel mitzuzählen. Dann gehört es dazu.
Plane ein, dass das Geschwisterkind nach dem Spiel auch etwas bekommt. Ein Eis, ein Spielplatz auf dem Heimweg, zehn Minuten, in denen es allein bestimmt, was ihr macht. Das muss nicht groß sein. Es zeigt dem Kind, dass sein Warten gesehen wird.
Wenn möglich, such dir auch einen Tag in der Woche, an dem das zweite Kind im Mittelpunkt steht. Ein Ausflug, ein gemeinsames Kochen, ein Kinobesuch. So fühlt es sich nicht dauerhaft in der zweiten Reihe.
Wenn ihr zu zweit seid, könnt ihr aufteilen: Einer geht mit dem Sportkind zum Spiel, der andere macht etwas mit dem Geschwisterkind. Das klappt nicht bei jedem Termin, aber schon jedes dritte oder vierte Mal verändert die Stimmung.
Auch Fahrgemeinschaften mit anderen Familien entlasten. Wenn dein Kind bei jemand anderem mitfährt, hast du mehr Zeit für das zweite.
Frag es, wie es das Warten findet. Du bekommst vielleicht eine ehrliche Antwort, die du nicht erwartet hast. Vielleicht findet es die Spiele gar nicht so schlimm, wenn es einmal im Monat das Mitbringen von Süßigkeiten bestimmen darf. Vielleicht wünscht es sich nur, dass du einmal zuhörst, wenn es von seinem Tag erzählt.
Du musst nicht jedem Kind exakt gleich viel Zeit geben. Aber du kannst darauf achten, dass keines dauerhaft zu kurz kommt. Das Sportkind hat den Applaus, das Geschwisterkind braucht auch Momente, in denen es im Mittelpunkt steht.
Begleite dein Kind in jedem Moment — mit persönlichem Coaching.