Sport, Entwicklung und was Kinder wirklich bewegt
Am Donnerstagnachmittag fängt dein Kind an, Bauchweh zu haben. Es ist nicht krank, sagt es, aber es kann heute nicht zum Training. Du ahnst, dass etwas dahintersteckt, und fragst dich, wie du nachfragen sollst.
Kinder, die sich vor einer Blamage fürchten, sagen das selten direkt. Du erkennst es an Vermeidung, etwa an Kopfschmerzen, Bauchweh, ständiges Trödeln vor dem Training. Manche spielen auf dem Platz übervorsichtig und verstecken sich, andere wirken genervt oder albern.
Manche Kinder werden auch auffällig leise, wenn sie nach dem Training abgeholt werden. Sie wollen nicht erzählen, was war, und das ist oft ein Zeichen, dass etwas Unangenehmes passiert ist.
Es gibt viele Auslöser. Ein Fehler, über den andere gelacht haben. Ein Trainer, der vor allen Kindern kritisiert hat. Der Vergleich mit besseren Mitspielern. Oder ein Kind, das zu Hause hört, dass Leistung zählt und Fehler peinlich sind.
Manchmal ist es auch das eigene Bild: Ein Kind, das früher viel besser war, merkt, dass andere aufholen, und fürchtet den Abstieg. Oder ein neues Kind im Team, das noch nicht dazugehört.
Frag nicht: „Hast du Angst, dich zu blamieren?“ Das legt Worte in den Mund und beschämt. Frag lieber offen: „Gibt es etwas am Training, das dich gerade stresst?“ Oder: „Wenn du dir aussuchen könntest, was am Training anders wäre, was wäre das?“
Gib deinem Kind Zeit. Kinder reden oft beim Spazierengehen oder im Auto, wenn man nebeneinander sitzt und sich nicht ansieht. Das nimmt den Druck.
Sag ihm, dass alle Spieler Fehler machen, auch die besten, und erzähl, wenn du magst, von einer Situation, in der du dich selbst blamiert hast und sie überlebt hast. Erfinde nichts dafür, Kinder merken schnell, ob ein Beispiel echt ist.
Vermeide „Stell dich nicht so an“ und „Das ist doch nichts“. Solche Sätze machen die Angst nicht kleiner, sie machen nur das Reden schwerer.
Wenn dein Kind das Training meiden will, lass es nicht komplett wegbleiben. Das verstärkt die Angst oft. Vereinbare einen kleinen Schritt: Nur hingehen und zuschauen. Oder die ersten zehn Minuten mitmachen und dann entscheiden.
Sprich mit dem Trainer, wenn dein Kind einverstanden ist. Er kann Übungen so wählen, dass dein Kind Erfolg hat, und mit einem Mitspieler beginnen, dem es vertraut.
Wenn die Angst über Wochen anhält, wenn dein Kind auch in der Schule oder bei Freunden Schwierigkeiten zeigt, oder wenn es sich zunehmend zurückzieht, sprich mit dem Kinderarzt oder einer Beratungsstelle. Das hat mit Versagen nichts zu tun und tut Kindern oft gut.
Die meisten Kinder kommen aber mit etwas Zuwendung und ein paar kleinen Erfolgserlebnissen schnell wieder in Schwung.
Begleite dein Kind in jedem Moment — mit persönlichem Coaching.