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Kapitänin, jetzt trägt sie die Binde nicht mehr

Deine Tochter war Kapitänin und bekommt die Binde nicht mehr. Wie du sie auffängst und was die Rolle wirklich bedeutet hat.

Sie hat die Binde monatelang getragen. Hat vor dem Spiel den Kreis zusammengerufen, nach dem Abpfiff abgeklatscht, beim Schiedsrichter die Hand gegeben. Und dann, ohne große Erklärung, trägt eine andere die Binde. Deine Tochter steht daneben.

Auch wenn es nur ein Stück Stoff am Oberarm ist, es fühlt sich für sie nach mehr an.

Was Kinder in der Rolle sehen

Für Kinder in diesem Alter ist die Kapitänsbinde ein sichtbares Zeichen: Der Trainer vertraut mir. Verliert man sie, entsteht schnell die Frage, was man falsch gemacht hat. Auch wenn der Trainer nur rotieren wollte oder die Binde einfach weitergegeben wurde, kommt beim Kind oft an: Ich bin weniger wert.

Das ist keine Überempfindlichkeit, sondern ein normaler Gedanke bei einem Kind, das Rückmeldung vor allem über sichtbare Zeichen bekommt.

Zuerst zuhören, dann einordnen

Frag nicht gleich nach dem Warum. Sag eher: „Ich hab gesehen, dass jemand anders die Binde trägt. Wie geht es dir damit?“ Lass Pausen zu. Vielleicht kommt Wut, vielleicht Traurigkeit, vielleicht ein „Ist mir egal“, das ganz sicher nicht egal ist.

Gib ihr nicht die Erklärung vor. Sätze wie „Der Trainer macht das bestimmt nur zur Abwechslung“ nehmen ihr das Gefühl, ernst genommen zu werden.

Die Frage an den Trainer

Wenn du merkst, dass sie noch Tage später daran knabbert, schlag ihr vor, selbst zu fragen. Das ist eine gute Übung: „Trainer, ich habe gesehen, dass ich die Binde nicht mehr trage. Gab es einen Grund?“ Viele Kinder trauen sich das nicht allein. Dann kannst du sie begleiten, ohne zu reden.

Manchmal ist die Antwort banal. Manchmal bekommt sie eine ehrliche Rückmeldung, die ihr weiterhilft, zum Beispiel, dass sie in Stresssituationen lauter werden darf oder dass der Trainer mehr Spielerinnen Verantwortung geben will.

Was eine Kapitänin auch ohne Binde ist

Die Rolle hat nie nur aus der Binde bestanden. Sie hat Mitspielerinnen aufgemuntert, nach Fehlern nicht geschimpft, im Kreis die Stimmung gehalten. Das alles kann sie weiter tun. Sag ihr das, aber erst, wenn der erste Ärger verraucht ist.

Es kann sein, dass sie zunächst nicht darauf eingeht. Dann lass es stehen. Ein paar Tage später fällt dir vielleicht eine Gelegenheit ein, ihr zu zeigen, dass du diese Seite an ihr siehst.

Wenn sie die Binde wiederhaben möchte

Das ist ein legitimes Ziel. Frag sie, was sie dafür tun könnte. Eine Idee: im Training Verantwortung übernehmen, zum Beispiel beim Aufwärmen, ohne dass jemand darum bittet. So ergibt sich oft von selbst, dass die Rolle wieder zu ihr zurückfindet.

Und falls nicht, hat sie etwas Wertvolles gelernt: Wer führt, braucht dafür nicht immer ein Zeichen.

Wenn dir im Moment die Worte fehlen, kann Sideline dir Formulierungen für das Gespräch mit deinem Kind vorschlagen.

Begleite dein Kind in jedem Moment — mit persönlichem Coaching.