Selbstreflexion, Gespräche und der eigene Blickwinkel
Du hast um sechs Uhr den Wecker gestellt, vier Stunden im Auto gesessen, und nach zwanzig Minuten steht es 0:3. Am Ende wird es 0:6. Dein Kind steigt still ein, du schaust auf den Tank und denkst an die vier Stunden, die jetzt wieder vor euch liegen.
Du darfst dich ärgern. Zeit und Geld sind weg, und das Ergebnis macht es nicht besser. Wichtig ist nur, wohin du diesen Ärger lenkst. Wenn er im Auto landet und dein Kind ihn abbekommt, wird die Rückfahrt für beide zur Last.
Kurz nach dem Spiel braucht dein Kind oft vor allem Ruhe. Du kannst etwas zu trinken und zu essen anbieten, ein neutrales „Schön, dass du gespielt hast“ sagen und dann erst mal still fahren. Wenn das Kind reden will, hört es sich anders an als wenn du es fragst.
Frag nicht nach Fehlern. Frag nicht nach dem Torwart. Lass die Musik laufen, die dein Kind mag.
Irgendwann ist der erste Frust verflogen. Dann sind vier Stunden Rückfahrt eine Chance, die du sonst selten hast: dein Kind sitzt neben dir und hat Zeit. Du kannst etwas ansprechen, das nichts mit dem Spiel zu tun hat. Was gibt es morgen zum Mittagessen? Welcher Film läuft gerade? Wohin wollt ihr im Herbst?
Manchmal fängt das Kind dann von selbst an, über das Spiel zu reden, und dann hast du ein ehrliches Gespräch, das du im Alltag so nicht bekommen hättest.
Für die nächsten Auswärtsspiele kannst du dir Fragen stellen. Wie stark ist der Gegner im Vergleich zu eurer Mannschaft? Ist das ein Ligaspiel, bei dem ihr sowieso hinmüsst, oder ein Freundschaftsspiel, das auch näher ginge? Gibt es Fahrgemeinschaften, damit du nicht jedes Mal selbst fährst?
Mit diesen Fragen stellst du nicht den Verein in Frage, sondern die Gewohnheit, jede Fahrt als selbstverständlich zu nehmen.
Ein 0:6 sagt wenig über die Entwicklung eines Kindes. Es sagt etwas über einen Tag, an dem der Gegner besser war oder bei euch vieles schiefging. Kinder in diesem Alter vergessen ein Ergebnis meist schneller als Erwachsene, wenn man sie nicht ständig daran erinnert.
Wenn du dein Kind am nächsten Tag fragst, worauf es sich im nächsten Training freut, hilft ihm das mehr als jede Analyse der Niederlage.
Die Fahrt ist nicht umsonst, wenn auf der Rückbank ein Kind sitzt, das spürt: Du bist auch nach einem 0:6 für mich da.
Begleite dein Kind in jedem Moment — mit persönlichem Coaching.