Für Eltern

Selbstreflexion, Gespräche und der eigene Blickwinkel

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Ich schau nur noch auf den Knöchel

Seit der Verletzung beobachtest du bei jedem Schritt das Gelenk deines Kindes. Warum das passiert und wie du den Blick wieder aufs Spiel bekommst.

Der Ball ist im Netz, die anderen Eltern jubeln, und du hast es nicht gesehen. Du hast auf den Knöchel geschaut. Seit der Verletzung läuft in deinem Kopf ein zweites Spiel mit, in dem es nur um dieses Gelenk geht, bei jedem Antritt, jeder Drehung, jedem Landen nach einem Kopfball.

Das ist verbreiteter, als man am Spielfeldrand merkt. Wer einmal erlebt hat, wie sein Kind auf dem Boden liegt, behält diesen Moment als Alarm im Hinterkopf. Dein Blick will absichern, dass es nicht noch einmal passiert.

Was dein Kind davon mitbekommt

Kinder spüren sehr genau, wohin du schaust. Wenn du bei jedem Zweikampf die Hand vor den Mund nimmst oder bei jedem Sprint einatmest, lernt dein Kind, dass dieser Körperteil gefährlich ist. Das macht vorsichtig, wo Vertrauen gebraucht wird, und Vorsicht auf dem Platz führt eher zu Fehltritten als zu Schutz.

Du musst deshalb nicht so tun, als wäre nichts gewesen. Ein Kind darf wissen, dass du dich gesorgt hast. Es sollte nur nicht bei jedem Spiel erleben, dass du immer noch Angst hast.

Kleine Dinge, die helfen

Such dir einen Ort am Spielfeldrand, von dem aus du nicht ständig auf die Beine siehst. Manche Eltern stellen sich auf die andere Seite des Platzes, an die Linie hinter dem Tor. Du siehst dann mehr vom Spielzug und weniger vom einzelnen Schritt.

Gib dir eine Aufgabe. Zähl die Pässe deiner Mannschaft, achte darauf, wer sich freiläuft, oder schau konsequent nur auf den Ball. Das klingt albern und funktioniert trotzdem, weil Aufmerksamkeit sich lenken lässt.

Und rede mit jemandem. Mit deinem Partner, mit einer anderen Mutter, mit dem Trainer. Wenn du es aussprichst („Ich merke, dass ich nur noch auf den Knöchel schaue“), verliert es einen Teil seiner Macht. Meistens kommt zurück: „Mir geht's genauso.“

Die medizinische Seite gehört nicht dir

Ob dein Kind belastbar ist, entscheiden die Ärztin oder der Arzt und die Physiotherapeutin, die die Freigabe erteilt haben. Du musst diese Frage nicht jedes Wochenende neu beantworten. Wenn du unsicher bist, frag dort nach, statt am Spielfeldrand zu beurteilen, wie der Fuß aufgesetzt wird.

Wenn dein Kind nach der Freigabe über Schmerzen klagt, nimm das ernst und lass es abklären. Wenn es keine Beschwerden gibt, darf auch dein Blick wieder wandern.

Ein Anfang ist schon, dass du es bemerkt hast. Das nächste Spiel kannst du so planen, dass du die Hälfte der ersten Halbzeit bewusst woandershin schaust, und danach fragst du dein Kind, was es selbst am besten fand.

Begleite dein Kind in jedem Moment — mit persönlichem Coaching.