Selbstreflexion, Gespräche und der eigene Blickwinkel
Du hast es beim Sichtungstraining gesehen. Der Sohn des Assistenztrainers stand in der ersten Reihe, spielte viel und ist jetzt im Kader. Dein Kind hat nach deinem Eindruck mindestens gleich gut gespielt und bekam eine Absage. In dir arbeitet etwas, das du am liebsten laut aussprechen würdest.
Fast jede Fußballfamilie hat schon einmal gedacht, dass es nicht nur um Leistung ging. Das Misstrauen ist verständlich, weil Entscheidungen oft intransparent sind und weil Trainerkinder tatsächlich manchmal Vorteile haben. Sie kennen das Training, spielen länger im Verein und sind den Trainern vertraut.
Gleichzeitig ist es schwer, von außen zu beurteilen, was entschieden hat. Du siehst dein Kind mit anderen Augen als ein Trainer, der dreißig Kinder in kurzer Zeit bewertet.
Frag dich ehrlich, ob du dieselbe Wut hättest, wenn ein anderes Kind genommen worden wäre, das du nicht kennst. Wenn ja, geht es vielleicht um die Absage selbst und nicht um das Trainerkind. Wenn nein, ist der Verdacht möglicherweise berechtigt, und dann darfst du das ernst nehmen.
Beachte auch, dass das Trainerkind nichts dafür kann. Es wird ohnehin schon schief angesehen, wenn es spielt. Falls du deinem Kind erzählst, dass es nur wegen des Vaters genommen wurde, gibst du ihm ein Bild mit, das später in der Schule oder im Team nachwirken kann.
Wenn du Klarheit willst, such das Gespräch mit dem Verantwortlichen, nicht mit dem Assistenten selbst. Sag, dass du die Entscheidung gern verstehen würdest und wie Auswahlkriterien aussehen. Das kannst du sachlich tun, ohne zu beschuldigen. Manchmal reicht schon die Frage, damit ein Verein transparenter wird.
Wenn der Verein keine Auskunft gibt oder du den Eindruck hast, dass Entscheidungen grundsätzlich nach Beziehungen laufen, ist das ein Grund, über andere Vereine nachzudenken. Es gibt genug, die Kinder fair sichten.
Dein Kind hat vermutlich gemerkt, dass du verärgert bist. Es wird sich fragen, ob die Absage wegen dieser Sache kam. Statt eine Theorie zu liefern, kannst du sagen: „Ich verstehe die Entscheidung nicht ganz, aber ich habe gesehen, wie du gespielt hast, und das war gut." Du musst weder sein Gefühl bestätigen noch den Gegenbeweis antreten.
Ihr müsst den Fall nicht lösen. Dein Kind braucht von dir vor allem den Eindruck, dass du auf seiner Seite bist, auch wenn du die Entscheidung nicht ändern kannst. Und es braucht bald wieder einen Ort, an dem es einfach Fußball spielen darf.
Begleite dein Kind in jedem Moment — mit persönlichem Coaching.