Für Eltern

Selbstreflexion, Gespräche und der eigene Blickwinkel

Artikel

Andere Eltern im Chat schweigen mich aus

Du schreibst in die Elterngruppe und bekommst keine Antwort, während andere Nachrichten sofort Daumen sammeln. Was dahinterstecken kann und wie du damit umgehst.

Du fragst in der Gruppe, wer am Samstag fährt. Zehn Minuten später hat jemand anderes eine Frage zur Trikotfarbe gestellt, und darunter laufen schon acht Antworten. Deine Nachricht steht oben, gelesen von zwölf Personen, beantwortet von keiner.

Was dieses Schweigen in dir auslöst

Das Gefühl, ausgeschlossen zu werden, trifft Erwachsene oft heftiger, als sie zugeben. Du weißt, dass es um Fahrdienste geht und nicht um dich, und trotzdem sitzt du am Abend mit dem Handy da und gehst zurück in alte Schulhofszenen. Das ist normal und sagt nichts über dich aus.

Dazu kommt, dass Gruppenchats schlechte Orte für Beziehungen sind. Es gibt keinen Tonfall, keinen Blick, keine Pause. Eine ausbleibende Antwort kann alles bedeuten, vom „war gerade beim Kochen“ bis zu „wir mögen dich nicht“, und dein Kopf wählt gern die zweite Variante.

Harmlose Erklärungen, die oft stimmen

In vielen Elterngruppen schreiben zwei, drei Personen den Großteil der Nachrichten, und der Rest liest still mit. Eine Nachricht, die nicht sofort ein Thema auslöst, geht unter. Manche Fragen wirken auch wie Aufträge, und auf Aufträge antwortet man ungern, wenn man gerade keine Zeit hat.

Manchmal liegt es am Ton oder am Zeitpunkt. Nachrichten am späten Abend oder mitten in der Arbeitszeit bleiben liegen. Bei dir kann es genauso sein, ohne dass du es merkst.

Wann es gegen dich geht

Es gibt Gruppen, in denen sich Cliquen bilden und manche Eltern systematisch übersehen werden. Das erkennst du daran, dass es über Wochen immer wieder vorkommt, und dass auf andere Nachrichten ähnlicher Art sofort reagiert wird. Dann ist es kein Zufall mehr.

Falls das so ist, bringt ein Gespräch unter vier Augen mehr als jede Nachricht in der Gruppe. Sprich eine Person an, der du vertraust: „Mir fällt auf, dass ich bei Fahrdiensten kaum Antworten bekomme. Ist das Zufall oder habe ich etwas übersehen?“ Die Antwort überrascht dich oft.

Was du dir selbst gönnen darfst

Schreib weniger in die Gruppe und mehr direkt. Eine Nachricht an die Mutter, mit der du dich am besten verstehst, bringt oft in zwei Minuten, was die Gruppe nicht schafft. Du musst nicht alles über den Chat regeln.

Stell die Benachrichtigungen leiser, wenn dich die Gruppe ständig aufwühlt. Wichtige Dinge erfährst du trotzdem, und dein Kind merkt, wenn du am Spielfeldrand ruhiger bist.

Was dein Kind davon mitbekommt

Kinder spüren, wenn ihre Eltern ausgeschlossen werden, auch wenn du nichts sagst. Manche fragen nach, andere fühlen sich mitverantwortlich. Du musst nichts erklären, aber du kannst klarstellen, dass das Erwachsenensache ist und seine Rolle im Team davon nicht berührt wird.

Wenn dein Kind selbst gut eingebunden ist, ist das viel wert. Viele Freundschaften der Kinder laufen unabhängig von den Eltern, und das darf so bleiben.

Am Ende

Ein Elternchat ist ein Hilfsmittel für Termine, kein Maßstab für deinen Platz im Verein. Wenn er dir mehr schadet als nützt, ist es erlaubt, ihn zu verkleinern. Es ist auch erlaubt, jemanden beim Training direkt anzusprechen, auf dem Platz, mit einem Kaffee in der Hand. Das funktioniert besser als jede Gruppe.

Begleite dein Kind in jedem Moment — mit persönlichem Coaching.