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Torwart bekommt immer die Schuld

Nach jedem Gegentor zeigen die Mitspieler auf den Torwart. Wie dein Kind lernt, damit umzugehen, und was du als Elternteil tun kannst.

Das Spiel steht 2:2, in der letzten Minute fällt das Gegentor. Dein Kind steht im Tor und sieht, wie die Mitspieler den Kopf heben und wegschauen. Einer ruft „Wie konnte der den durchlassen?“ Dein Kind schluckt, hebt den Ball auf und bringt ihn zur Mitte.

Warum es immer den Torwart trifft

Der Torwart ist der letzte Mann. Was vor ihm passiert, sehen die Kinder oft gar nicht. Wer den Ball im Netz sieht, sucht nach einer Person, die man verantwortlich machen kann, und der Torwart steht allein im Bild. Das ist keine Absicht, aber es fühlt sich für ihn wie ein Urteil an.

Dazu kommt: Ein Feldspieler, der einen Fehler macht, ist nach ein paar Sekunden wieder im Spiel. Der Torwart steht reglos da und wartet auf den Anstoß, während alle schauen.

Was dein Kind im Moment braucht

Nach dem Spiel kein Plädoyer und keine Analyse. Frag lieber, was dein Kind erlebt hat: „Wie war das für dich, als das Tor fiel?“ Hör zu. Viele Torhüter haben das Gefühl, versagt zu haben, auch wenn der Ball unhaltbar war.

Sag ehrlich, was du gesehen hast. Wenn der Schuss kaum zu halten war, darfst du das aussprechen. Wenn dein Kind einen Fehler gemacht hat, lass ihn stehen, ohne ihn zu vergrößern.

Mit Mitspielern umgehen

Kinder reden im Eifer des Gefechts. Das heißt nicht, dass es verletzend gemeint ist. Dein Kind kann üben, einen kurzen Satz zu sagen, wenn es angegriffen wird: „Ich hätte ihn gern gehalten, wir haben alle Fehler gemacht.“ Das gibt ihm etwas an die Hand.

Ein klärendes Wort an den Trainer ist sinnvoll, wenn der Torwart regelmäßig die Schuld bekommt. Er kann in der Besprechung betonen, dass Gegentore im Team entstehen.

Was du zu Hause tun kannst

Beobachte, ob dein Kind trotzdem gern im Tor steht. Manche Kinder lieben die Rolle, auch wenn sie anstrengend ist. Andere würden lieber wechseln, sagen es aber nicht. Frag nach: „Willst du weiter im Tor stehen oder würdest du auch mal anderes ausprobieren?“

Ein Torwart braucht eine dicke Haut, aber das heißt nicht, dass er gar nichts spüren darf. Gerade Kinder, die viel aushalten, brauchen jemanden, der das sieht.

Wenn es kippt

Wenn dein Kind nicht mehr ins Tor will, vor Spielen nervös wird oder sich nach Gegentoren zurückzieht, lohnt sich ein gemeinsames Gespräch mit dem Trainer. Vielleicht lässt sich die Rolle zeitweise teilen, vielleicht hilft eine Auszeit.

Die Schuldfrage nach einem Gegentor hat selten mit dem Torwart zu tun. Sie zeigt, wie ein Team mit Niederlagen umgeht, und da lässt sich als Elternteil mit etwas Ruhe viel verbessern.

Ein Gedanke zum Mannschaftsgefühl

Fußball ist ein Mannschaftsspiel, und das gilt auch bei Gegentoren. Wenn dein Kind versteht, dass Fehler selten bei einer Person liegen, sondern meist aus mehreren Schritten entstehen, wird es gelassener. Du kannst das beim Zusehen laut aussprechen: „Da hat vorher schon die Abwehr den Ball verloren.“ Solche Sätze bleiben hängen.

Begleite dein Kind in jedem Moment — mit persönlichem Coaching.