Selbstreflexion, Gespräche und der eigene Blickwinkel
Die Minuten nach einem Spiel gehören zu den heikelsten Momenten im Sportalltag einer Familie, und die meisten Eltern unterschätzen das.
Nach einem Spiel braucht das Nervensystem Zeit, um sich zu beruhigen. Der Körper ist noch im Aktivierungsmodus, unabhängig davon ob das Spiel gut lief oder schlecht. Der Psychologe John Gottman beschrieb diesen Zustand als einen, in dem die Fähigkeit Informationen aufzunehmen und einzuordnen deutlich eingeschränkt ist. Was in diesem Moment als gut gemeinte Rückmeldung gedacht ist, kommt beim Kind oft als Bewertung an, für die es gerade keine Kapazität hat. Gleichzeitig ist Schweigen für viele Eltern schwer auszuhalten, also beginnt man zu reden, meistens mit der besten Absicht.
Bevor es um konkrete Worte geht, lohnt es sich zu verstehen, was ein Kind nach einem Spiel eigentlich sucht. Nicht Analyse, nicht Feedback, sondern die Gewissheit, dass die Beziehung zum Elternteil nicht von der Qualität des Spiels abhängt. Das ist keine kleine Sache. Kinder, die das spüren, gehen anders mit Druck um, erholen sich schneller von Niederlagen und sind langfristig motivierter. Dieser Moment im Auto ist eine der einfachsten Gelegenheiten, genau das zu vermitteln, ohne ein Wort darüber zu verlieren.
Die häufigsten Fehler klingen harmlos. Eine Analyse dessen was hätte besser laufen können. Die Frage warum eine bestimmte Entscheidung im Spiel so getroffen wurde. Die Feststellung, dass es heute nicht so gut lief. Das Kind weiß das bereits, und es braucht diese Einordnung nicht im Auto, nicht vom Elternteil, nicht jetzt.
Genauso problematisch ist Lob, das nicht der Wahrheit entspricht. Kinder spüren den Unterschied zwischen echtem Zuspruch und einer Aussage, die sie beruhigen soll. Wer nach einem schwachen Spiel sagt "das war super" gibt damit zwar gute Absichten preis, aber das Kind lernt daraus, dass die Einschätzung des Elternteils nicht zuverlässig ist.
Der wichtigste Grundsatz ist, dem Kind den Raum zu lassen den es braucht. Nicht jede Heimfahrt braucht ein Gespräch, und Schweigen ist keine Gleichgültigkeit. Wenn gesprochen wird, dann mit einer offenen Frage ohne Agenda. "Wie war das für dich?" gibt dem Kind die Möglichkeit selbst zu entscheiden was es mitteilen möchte. Alles was nach Feedback aussieht gehört frühestens nach Hause, besser noch in ein Gespräch am nächsten Tag, wenn der Abstand groß genug ist und das Nervensystem beider Seiten sich beruhigt hat.
Begleite dein Kind in jedem Moment — mit persönlichem Coaching.