Selbstreflexion, Gespräche und der eigene Blickwinkel
Es ist abends, das Licht ist schon aus, da kommt die Frage aus dem Dunkeln: „Liebt ihr mich auch, wenn wir verlieren?“ Du bleibst einen Moment still, weil dir bewusst wird, wie viel hinter diesem Satz steckt.
Kein Kind würde das fragen, wenn es sich vollkommen sicher fühlte. Etwas hat in ihm Zweifel gesät.
Kinder lesen Stimmungen. Wenn bei Siegen gefeiert wird und bei Niederlagen ein ruhiger Abend folgt, ziehen sie einen Schluss. Sie sehen, wie sich das Gesicht verändert, wie die Stimme leiser wird, wie das Gespräch am Tisch kürzer ausfällt.
Selbst wenn du nichts Böses meinst, kann der Unterschied reichen, damit ein Kind denkt: Meine Eltern mögen mich mehr, wenn ich gewinne.
Sie sollte kurz sein und ohne Einschränkung. „Ja. Immer. Egal, was auf dem Platz passiert.“ Kein „natürlich, aber“, kein Ausweichen. Wenn du die Arme öffnen kannst, tu das.
Dein Kind wird vielleicht nachbohren: „Auch wenn ich schlecht war?“ Dann sag: „Auch dann.“ Wiederholung ist erlaubt. Kinder brauchen es oft mehrmals, bis sie es glauben.
Worte reichen nicht, wenn das Verhalten anders aussieht. Achte in den nächsten Wochen darauf, wie du nach Niederlagen auftrittst. Bist du still, gereizt, abwesend? Dann sieht dein Kind einen Widerspruch.
Plan etwas, das nach Niederlagen zur Familie gehört: ein gemeinsames Essen, ein Lieblingsspiel, ein Ritual. Dein Kind merkt, dass die Niederlage nichts verändert.
Vielleicht stimmt es, dass du nach Niederlagen anders bist. Dann sag das ehrlich: „Ich hab gemerkt, dass ich manchmal mies drauf bin, wenn ihr verliert. Das hat nichts mit dir zu tun.“ Ehrlichkeit nimmt der Frage die Spitze.
Und frag nach, was es sich wünscht: „Was würde dir nach einem verlorenen Spiel helfen?“ Manche Kinder wollen Ruhe, manche eine Umarmung, manche ein Kartenspiel.
Du darfst ehrgeizig sein. Du darfst dir Siege wünschen. Aber du kannst trennen zwischen dem, was du dir für das Team wünschst, und dem, was du für dein Kind empfindest.
Kinder können beides unterscheiden, wenn du es ihnen zeigst. Dann gewinnen sie eine Freiheit, die kaum etwas anderes bringt: Sie dürfen verlieren, ohne etwas zu verlieren.
Diese Frage wird dein Kind vielleicht noch öfter stellen, in anderer Form, mit zwölf oder fünfzehn. Wenn du jedes Mal dieselbe Antwort gibst, wird sie zur Gewissheit.
Falls dein Kind nach deiner Antwort noch lange wach liegt, bleib einen Augenblick sitzen. Manchmal braucht es nur deine Hand auf dem Rücken, damit der Satz im Körper ankommt und nicht nur im Kopf.
Wenn dir im Moment die Worte fehlen, kann Sideline dir Formulierungen für das Gespräch mit deinem Kind vorschlagen.
Begleite dein Kind in jedem Moment — mit persönlichem Coaching.