Selbstreflexion, Gespräche und der eigene Blickwinkel
Die Frage kommt meistens leise und meistens im Auto: „War ich gut?“ Du hast das Spiel gesehen, und es war ein schwacher Tag. Zwei Fehlpässe in Folge, ein verschlafener Start, wenig Einsatz.
Jetzt hast du drei Möglichkeiten. Du kannst lügen, du kannst die Wahrheit ungefiltert sagen, oder du kannst einen dritten Weg suchen. Die ersten beiden haben denselben Haken: Sie beantworten die Frage, die dein Kind gestellt hat, und nicht die, die dahintersteckt.
„War ich gut?“ heißt bei vielen Kindern: Bin ich noch in Ordnung für dich? Es sucht keinen Spielbericht, sondern Sicherheit. Wenn du darauf mit „Ja, super!“ antwortest, obwohl es nicht stimmt, merkt dein Kind den Unterschied und traut deinem Lob beim nächsten Mal weniger.
Lautet die Antwort dagegen „Nein, das war nicht dein Tag“, kann das tief treffen, wenn nicht noch etwas dazukommt, das die Beziehung stützt.
Ein Weg, der oft funktioniert, ist, die Frage zurückzugeben: „Wie hat es sich für dich angefühlt?“ Viele Kinder wissen genau, dass es nicht ihr bester Tag war, und sie haben eine Meinung dazu. Du hörst zu, statt zu urteilen.
Wenn es dich trotzdem direkt fragt, hilft eine ehrliche, aber begrenzte Antwort: „Heute war es zäh. Das passiert jedem. Mir hat gefallen, dass du nicht aufgegeben hast.“ Damit sagst du die Wahrheit, ohne sie zum Urteil über dein Kind zu machen, und du nennst etwas Konkretes, das stimmt.
Wichtig ist, nur Dinge zu loben, die du selbst gesehen hast. Ein erfundenes Kompliment fällt schneller auf als jede Kritik.
Fragt dein Kind regelmäßig nach deiner Bewertung, kann das ein Hinweis sein, dass es sich sehr an deiner Meinung orientiert. Dann lohnt es sich, ihm Gelegenheiten zu geben, seine eigene Einschätzung zu entwickeln. Zum Beispiel, indem du nach dem Spiel selbst fragst: „Womit warst du zufrieden?“ Wer das einübt, braucht irgendwann weniger Rückversicherung von außen.
Es hilft außerdem, getrennt zu denken: Das Spiel war schwach, dein Kind ist trotzdem genauso willkommen am Esstisch. Diese Trennung musst du deinem Kind nicht erklären, du lebst sie vor. Wenn nach einem schlechten Spiel dieselbe Wärme zu Hause wartet wie nach einem guten, wird die Frage „War ich gut?“ mit der Zeit seltener, weil sie ihre Dringlichkeit verliert.
Wenn dir in dem Moment nichts einfällt, hilft dieser Satz fast immer: „Ich war froh, dass ich dabei sein konnte.“ Er ist ehrlich, enthält keine Bewertung und lässt deinem Kind die Wahl, ob es weiterreden möchte. Danach darfst du das Thema wechseln: Was gibt es heute zu essen, wer ist morgen in der Schule, was wollt ihr am Wochenende machen? Ein Spiel ist ein Teil des Lebens, und es hilft deinem Kind, wenn es merkt, dass es nicht den ganzen Tag dominieren muss.
Begleite dein Kind in jedem Moment — mit persönlichem Coaching.