Sport, Entwicklung und was Kinder wirklich bewegt
Du stehst am Spielfeldrand der E-Jugend, die zweite Halbzeit läuft, und dein Kind wärmt sich seit zwanzig Minuten die Hände an der Trinkflasche. Der Frust, den du dabei spürst, ist ziemlich sicher größer als der deines Kindes. Genau deshalb lohnt es sich, kurz durchzuatmen, bevor du etwas sagst.
Auf der Heimfahrt will dein Kind meistens keine Analyse. Ein Satz wie „Das war bestimmt blöd, die ganze Zeit zuzuschauen" öffnet mehr Türen als jede Erklärung, warum der Trainer vielleicht so entschieden hat. Danach darfst du schweigen. Manche Kinder reden nach zehn Minuten Stille los, andere erst beim Abendessen oder kurz vorm Einschlafen.
Frag lieber offen als bohrend. „Wie war's für dich heute?" lässt Raum. „Hat der Trainer dich wieder nicht gebracht?" legt dem Kind die Antwort schon in den Mund und macht aus einem Spiel eine Anklage.
Über den Trainer zu schimpfen fühlt sich im Moment solidarisch an. Dein Kind hört aber vor allem, dass die Lage offenbar hoffnungslos ist, und steht beim nächsten Training mit genau dieser Haltung auf dem Platz. Auch Sätze wie „Du bist doch eigentlich besser als der andere" bringen wenig, denn sie machen aus einem Teamkameraden einen Gegner.
Vermeide außerdem, den Frust mit Geld oder Geschenken zu trösten. Das Eis nach dem Spiel ist in Ordnung, wenn es sowieso Tradition ist. Als Wiedergutmachung für die Bank macht es das Sitzen allerdings bedeutsamer, als es sein muss.
Wenn die Bank sich über mehrere Wochen zieht, darfst du nachfragen. Wähle dafür einen ruhigen Moment, nicht die Minute nach dem Abpfiff, wenn der Trainer zwanzig Kinder einsammeln muss. Schreib ihm kurz oder sprich ihn vor dem Training an.
Ein guter Einstieg wäre „Mir ist aufgefallen, dass Leo zuletzt wenig gespielt hat. Woran kann er arbeiten?" Damit fragst du nach Entwicklung und nicht nach Gerechtigkeit. Hör dir die Antwort an, auch wenn sie dir nicht gefällt. Viele Trainer im Jugendfußball haben Gründe, die man vom Spielfeldrand aus nicht sieht, etwa Trainingsbeteiligung, Positionen oder die Frage, wer gerade welche Spielminuten bekommen hat.
Frag dein Kind vorher, ob es das überhaupt möchte. Manche Kinder finden es peinlich, wenn Mama oder Papa sich einmischen, und dann lohnt es sich eher, gemeinsam zu überlegen, was das Kind selbst ansprechen könnte. Ein Kind mit zehn oder elf Jahren kann durchaus fragen „Was soll ich üben, damit ich öfter spielen darf?"
Bleibt dein Kind nach den Spielen dauerhaft traurig, klagt es vor dem Training über Bauchweh oder will es gar nicht mehr hin, nimm das ernst. Sprich mit deinem Kind darüber, ob der Verein, die Mannschaft oder die Rolle das Problem ist. Halten körperliche Beschwerden an, frag bei der Kinderärztin oder dem Kinderarzt nach.
Und falls dir in so einem Moment die Worte fehlen, kann Sideline dir Formulierungen für das Gespräch mit deinem Kind oder dem Trainer vorschlagen.
Begleite dein Kind in jedem Moment — mit persönlichem Coaching.